Kindern eine Zukunft bieten

14.12.2009
Kindern eine Zukunft bieten Zusammen mit der Hilfsorganisation CARE besuchte die Bundesliga-Stiftung das Projekt "Kick it! - Choose Life" in Südafrika. Kindern und Jugendlichen werden hier durch sportliche Aktivitäten Alternativen zum Leben auf der Straße geboten. Mit ihrer Unterstützung des Projektes will die Bundesliga-Stiftung den Kindern ein Leben ohne Gewalt, Aids und Drogen ermöglichen.

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Lessego Singwane grinst, als er seinen ganzen Stolz präsentiert: einen türkis-gelb-weißen Lederball. Eine Naht ist aufgerissen, das Leder arg ramponiert, und das Rund ähnelt mehr einem Ei. Aber das ist dem Zwölfjährigen egal. Hier in Soshanguye, einem Township (Armenviertel) in der Nähe von Pretoria, ist die Lederkugel ein kleiner Schatz. Die meisten anderen Kids basteln sich ihre Bälle selbst – aus Plastiktüten, alten Socken, Abfall. Lessego hat einen richtigen Ball. Viel mehr Reichtümer besitzt der schmächtige Junge aber auch nicht. Nach dem Aids-Tod der Eltern lebt er gemeinsam mit seiner Schwester Rachel (20) in einer kleinen Wellblechhütte. Das Dach ist undicht, die Fugen sind provisorisch mit Kaugummiresten verklebt. Ein eigenes Zimmer gibt es für Lessego nicht, er teilt sich in der Zweiraumhütte das Bett mit seiner Schwester.

Armut ist in Südafrika ein alltäglicher Anblick. Allein in Soshanguye wohnen zwei Millionen Menschen auf engstem Raum. Drogen und Kriminalität gehören hier zum täglichen Leben. Schon früh kommen die Kinder damit in Berührung - und träumen doch alle von einer besseren Zukunft. "Ich möchte mal als Fußball-Profi in einem großen Stadion vor vielen Fans spielen", sagt Lessego Singwane. Er will so sein, wie seine großen Vorbilder von den Kaizer Chiefs Johannesburg, deren vergilbtes Poster er sich aus einer Zeitung ausgeschnitten und über sein Bett gehängt hat. Dafür trainiert er drei Mal in der Woche. Zwei kleine Silberpokale, die er als Anerkennung für seine Leistungen als Fußballer bekommen hat, zeugen von seinem Fleiß. Genauso wie seine Medaillen, die er zum Beispiel im November 2009 als bester rechter Verteidiger bekommen hat beim Projekt "Kick it! - Choose Life".
Der zwölf Jahre alten Lessogo und seine Schwester Rachel vor ihrem ärmlichen Zuhause
Impressionen: Die Bundesliga-Stiftung und Franz Beckenbauer zu Besuch in Südafrika
 
"Projekte wie ‚Kick it  können dazu beitragen, langfristig etwas zu verändern, und genau das ist unser Ansatz", sagt Kurt Gaugler, Geschäftsführer der Bundesliga-Stiftung. Seit Ende des Jahres engagiert sich die Anfang 2009 neu gegründete Stiftung der DFL und des Ligaverbandes gemeinsam mit der international tätigen Hilfsorganisation CARE für das Projekt. Lessego und viele weitere fußballbegeisterte Kinder bekommen hier die Chance auf eine Alternative zum Leben auf der Straße. Und ganz nebenbei werden die Kids von speziell ausgebildeten einheimischen Coaches neben dem sportlichen Angebot über die Gefahren von HIV und AIDS, aber auch über Drogenmissbrauch und Kriminalität aufgeklärt. Problembereiche, mit denen die Jugendlichen in den Townships bisher meist allein gelassen wurden.

Seit nunmehr fünf Jahren gibt es das Angebot von "Kick it". Doch die Nachfrage ist weit größer als das Angebot. Längst ist die lokale Organisation an ihre personellen, organisatorischen und finanziellen Kapazitätsgrenzen gestoßen, so dass ein Ausbau des Projektes fraglich war. Der Einstieg der Bundesliga-Stiftung kam daher zur rechten Zeit. Mit Hilfe der Mittel der Bundesliga-Stiftung kann die Ausbildung weiterer Coaches finanziert und das Projekt so weiter ausgedehnt werden. "Die Unterstützung der Bundesliga- Stiftung ist für CARE von elementarer Bedeutung", sagt Dr. Anton Markmiller von CARE Deutschland und Luxemburg beim Besuch in Südafrika. "Hierdurch kann das Projekt ‚Kick it  nicht nur ausgebaut und vielen weiteren Kindern geholfen werden. Mit dem Einstieg der Bundesliga wird zudem das Interesse der Öffentlichkeit in Deutschland auf die Probleme Südafrikas gelenkt." Und die Kids sind mit Feuereifer dabei, vor allem als eine Delegation von CARE und der Bundesliga-Stiftung sich vor Ort ein Bild von dem Projekt macht. Teils barfuß, teils in Badeschlappen spielen die Nachwuchskicker aus Südafrika mit Spaß und Leidenschaft auf einem großen Feld, das nur mit viel Fantasie als ein Fußballplatz erkennbar ist.

"Kinder kann man noch leiten, man kann sie noch auf den richtigen Weg bringen und ihnen helfen. Und wir werden gerne helfen", sagt Gaugler beim Besuch des Projektes in Soshanguye. Gemeinsam mit Dr. Robert Niemann, CEO der DFLTochter DFL Sports Enterprises (SE), Jörg Daubitzer, COO der SE, und Christian Pfennig, Direktor Kommunikation der DFL, besuchte Gaugler das Projekt und hatten als kleine Überraschung für die Kinder Trikots, T-Shirts und Bälle vom Bundesliga Partner adidas im Gepäck. "Wir versuchen den Kindern die Gefahren, die das Aufwachsen in den Armenvierteln mit sich bringt, zu vermitteln. Das ist sehr wichtig für mich", erzählt "Projekt-Coach" Porfia Mafokwane stellvertretend für die Trainer, die den ganzen Tag für die Betreuung der jungen Sportler zuständig sind. Sie ist 26 Jahre alt und seit Februar im Projekt. Ihr größter Wunsch: Dass noch viele weitere Kinder die Möglichkeit bekommen, etwas aus ihrem Leben zu machen. Die Vermittlung von Bildung und Ausbildung, aber auch die Aufklärung über Aids ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft der Kinder. Umso wichtiger ist jetzt die Hilfe aus Deutschland, denn ohne sie wäre das Projekt "Kick It - Choose Life" niemals entstanden.

Für Lessego Singwane hat sich der Besuch der Delegation aus Deutschland ganz besonders gelohnt. Fast schon ehrfürchtig betritt der kleine Waisenjunge den grünen Rasen im Ellis Park. Das WM-Stadion in Johannesburg kennt er sonst nur von außen, eine Karte für die Spiele kann er sich nicht leisten. Doch jetzt steht er mittendrin, darf auf dem herrlichen Grün sogar Fußball spielen, ganz so wie seine großen Vorbilder. Immer wieder schießt er seinen zerbeulten alten Ball mit seinen löchrigen Fußballschuhen in das Tor - und freut sich, als wäre er selbst gerade Weltmeister geworden. Noch mehr staunt der junge Verteidiger aber als er wenig später dem größten Libero aller Zeiten persönlich gegenübersteht. Gemeinsam mit anderen jungen Kickern aus ganz Südafrika trifft Lessego Franz Beckenbauer, den genialen Fußballer, der selbst in den Townships in Südafrika bekannt ist, und der die Bundesliga-Stiftung bei dem Projekt unterstützt. "Die Bundesliga- Stiftung steht für gelebte soziale Verantwortung. Deshalb mache ich mit und engagiere mich. Nur gemeinsam können wir etwas verändern", demonstriert Franz Beckenbauer
seine Verbundenheit zu dem Projekt.

Für Lessego hat der Ehrenpräsident des FC Bayern München einen ganz besonderen Tausch parat: Für seine alte zerfetzte Lederkugel erhält der Zwölf- Jährige einen ganz neuen Ball von adidas. Silbern ist er, mit schwarzen Kreisen und blauen Punkten. Ein neuer Schatz, mit dem er daheim in Soshanguye der Held bei seinen Freunden sein wird. Einer, mit dem er sich vielleicht sogar seinen großen Traum erfüllen kann. Und der ihn wie das Projekt "Kick it! - Choose Life" vor den Gefahren des Lebens auf der Straße schützen soll.

Kurt Gaugler im Interview: "Alternative zum Leben auf der Straße"
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