08.09.2026
Im Projekt „TeamKickers – Fußball lebt Demokratie“ werden Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren zu demokratisch-kompetenten Fußballcoaches ausgebildet, die demokratische Werte wie Partizipation, Mitbestimmung und Verantwortung in ihre Vereine tragen. Fotos: Teresa Rothwangl
08.09.2026
Demokratie beginnt oft dort, wo junge Menschen Verantwortung übernehmen, mitgestalten und ihre Stimme einbringen können. Genau hier setzt das Projekt „TeamKickers – Fußball lebt Demokratie“ an. Im Kreis Bochum werden Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren zu demokratisch-kompetenten Fußballcoaches ausgebildet, die demokratische Werte wie Partizipation, Mitbestimmung und Verantwortung in ihre Vereine tragen. In einem innovativen Peer-Learning-Ansatz verbinden die Teilnehmenden Fußballtraining mit Demokratiebildung und werden so zu Multiplikator*innen für gelebte Mitbestimmung. Die Umsetzung wurde 2024 durch den Fördertopf „Sport und Demokratie“ der Bundesliga Stiftung unterstützt. Über die Idee hinter dem Projekt, die Erfahrungen der Jugendlichen und die nachhaltige Wirkung demokratischer Bildung im Sport sprechen wir mit TeamKickers-Projektleiter Robert Tigges von der GLS Zukunftsstiftung Bildung im GLS Treuhand e.V.
Projektleiter „TeamKickers – Fußball lebt Demokratie“
Herr Tigges, viele Menschen denken bei Demokratie zuerst an Wahlen oder politische Institutionen. Wie gelingt es Ihnen bei „TeamKickers“, demokratische Werte auf den Fußballplatz zu bringen und für Jugendliche konkret erlebbar zu machen?
„Selbstwirksamkeit, Empathie sowie Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit sind demokratische Kompetenzen, die die Teilnehmenden im Projekt TeamKickers durch Erproben entwickeln können. Durch Methoden des Sozialen Lernens können sie selbstständig Trainingseinheiten gestalten und eine neue verantwortungsvolle Perspektive kennenlernen. Neben fachlichen Themen lernen sie auch, wie partizipatives und kooperatives Training funktioniert und wie sie dabei soziale Fähigkeiten fördern.
In den aktivierenden Methoden geht es unter anderem um die Etablierung einer gesunden Fehler- und Feedbackkultur im Team, um Selbstreflexion, um Motivation und Selbstbewusstsein. Der Sport rückt als Lernort für soziale Teilhabe und Wertevermittlung immer mehr in den Fokus – für große Sportverbände wie auch für uns als außerschulische Bildungsakteurin. Unsere Erfahrungen als GLS Zukunftsstiftung Bildung mit Peer-Learning-Programmen im Schulkontext konnten wir gut auf den Fußballplatz übertragen.“
Das Herzstück von „TeamKickers“ ist der Peer-Learning-Ansatz. Warum können Jugendliche andere Jugendliche oft besonders gut für Themen wie Verantwortung, Mitbestimmung und gesellschaftliches Engagement begeistern?
„Peer-Learning bedeutet im Kern: Nicht eine Lehrperson oder in diesem Fall ein Trainer bzw. eine Trainerin leitet die Lernenden an. Stattdessen lernen diese miteinander und voneinander, von Gleichaltrigen also, ihren Peers. Die Basis bilden die Entwicklung von Vertrauen und das Aufbauen einer positiven Beziehung und die Begegnung auf Augenhöhe. Sie sind im wahrsten Sinne nah dran an ihren jeweiligen Lebenswelten. Es geht dabei um Glaubwürdigkeit, Verständnis und Vorbilder in den eigenen Reihen. Während die TeamCoachs, wie wir sie im Projekt nennen, sich in Verantwortungsübernahme üben und die anderen Spielerinnen und Spieler in ihren fußballerischen und demokratischen Kompetenzen gestärkt werden, erleben sich alle Beteiligten als selbstwirksam.“
Die Teilnehmenden kehren nach ihrer Ausbildung als Multiplikator*innen in ihre Vereine zurück. Welche Entwicklungen oder Veränderungen konnten Sie bei den Jugendlichen und in den Vereinen beobachten?
„Die Teilnahme hat bei den jugendlichen Spielerinnen und Spielern nicht nur die Motivation und den Spaß am Training gesteigert, sondern dafür gesorgt, dass sie in ihren Mannschaften die Möglichkeit bekommen haben, mehr Verantwortung zu übernehmen und mitzubestimmen. Eine offenere Kommunikation und eine erhöhte Problemlösefähigkeit der Spielerinnen und Spieler sind nur einige der erwünschten Folgen. Wir bekommen das Feedback von den Vereinen, dass sich zum Beispiel die Bindung zwischen Team und Trainer verbessert hat und auch da eine Augenhöhe hergestellt werden konnte. Sogar Eltern haben nach der Projektteilnahme ihrer Kinder festgestellt, dass die Atmosphäre im Team viel vertrauensvoller ist als zuvor und auf dem Platz eine wichtige Wertevermittlung stattgefunden hat.“

Mannschaftssport lebt von Zusammenarbeit, Kommunikation und gegenseitigem Respekt. Welche Parallelen zwischen einer funktionierenden Fußballmannschaft und einer lebendigen Demokratie werden im Projekt besonders deutlich?
„Der Umgang mit Unterschieden und mit teils gegenläufigen Interessen ist eine wesentliche Herausforderung im Sport, im Fußball und in der Gesellschaft. Das üben wir im Projekt. Aushalten, dass man nicht bei allem einer Meinung ist, und gleichzeitig die Gemeinsamkeiten zu erkennen und wertzuschätzen, das hilft einer Mannschaft dabei, das Team-Ziel zu erreichen. Wichtig dabei: Nur wenn im Training zu Selbst- und Mitbestimmung aktiv aufgefordert wird, kann sich die Förderung der Demokratiefähigkeit auch ergeben. Und das ist genau das, was bei den TeamKickers geschieht.“
Wenn Sie auf die Entwicklung von „TeamKickers“ blicken: Welche langfristige Wirkung kann ein Projekt wie dieses für junge Menschen und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt entfalten?
„Gerade in jungem Alter hat die Art und Weise, wie ich lerne, sei es in der Schule oder auf dem Sportplatz, große Wirkung auf meine Persönlichkeitsentwicklung. Wer früh lernt, dass Kooperation und Teamfähigkeit mehr zählen, als immer der oder die Lauteste zu sein, der kann dieses Wissen später auf andere Lebensbereiche übertragen. Und: Am Ende bringt diese Art des Trainings und des Zusammenlebens auch einfach mehr Spaß für alle.“
„TeamKickers – Fußball lebt Demokratie“ wurde 2024 im Rahmen des Fördertopfs „Sport und Demokratie“ durch die Bundesliga Stiftung (vormals DFL Stiftung) gefördert. Mit Blick auf die Europawahl 2024 unterstützte die Stiftung Projekte, die Sport und Bewegung nutzen, um demokratische Werte, politische Bildung und gesellschaftliche Teilhabe für junge Menschen erlebbar zu machen. Die Resonanz auf die Ausschreibung war groß: Aus mehr als 100 Bewerbungen wählte eine unabhängige Jury 25 Projekte aus, die mit insgesamt 200.000 Euro gefördert wurden. „TeamKickers“ zeigt bis heute, wie Fußball junge Menschen dazu befähigen kann, Verantwortung zu übernehmen, mitzugestalten und Demokratie im Alltag zu leben.

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