15.09.2026
Im Projekt „Bach meets Gutenberg“ kamen 16-26-jährige Freiwilligendienstleistende aus Sachsen und Rheinland-Pfalz in Mainz zusammen., um sich über ihre Lebensrealitäten auszutauschen und neue Sportarten kennenzulernen.
15.09.2026
Wie können Begegnungen dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken? Mit dem Projekt „Bach meets Gutenberg“ haben die Sportjugend Rheinland-Pfalz und die Sportjugend Sachsen genau dafür einen Raum geschaffen. Vier Tage lang kamen 16-26-jährige Freiwilligendienstleistende aus Sachsen und Rheinland-Pfalz in Mainz zusammen, um sich über ihre Lebenswelten auszutauschen, neue Sportarten kennenzulernen und Demokratie ganz praktisch zu erleben. Ermöglicht wurde das Begegnungsprojekt durch die Förderung der Bundesliga Stiftung, die im Rahmen ihres Fördertopfs „Bewegung. Begegnung. Zukunft“ besondere Begegnungen im Sport Projekte fördert, die Dialog, Teilhabe und gesellschaftliches Miteinander stärken. Über die Idee hinter dem Projekt, prägende Momente und die Wirkung solcher Begegnungen sprechen wir mit Projektkoordinator Tim Görres.
Gesamtkoordination Freiwilligendienste
Herr Görres, was hat Sie persönlich am meisten überrascht, als die jungen Menschen aus Sachsen und Rheinland-Pfalz vier Tage lang zusammengekommen sind?
„Wie schnell aus der sächsischen und der rheinland-pfälzischen Gruppe eine gemeinsame Gruppe wurde. Wenn im Freiwilligendienst verschiedene Gruppen zusammengeführt werden, dauert es oft, bis diese zusammenfinden. Hier war das Eis sehr schnell gebrochen, da alle Teilnehmer*innen offen für das gegenseitige Kennenlernen waren.“
„Bach meets Gutenberg“ sollte Begegnungen auf Augenhöhe ermöglichen. Welche Rolle spielte dabei der Sport?
„Sport verbindet. Vor allem, wenn man gemeinsam Sport ausübt. Entsprechend war Sport der ‚Katalysator‘, um die Gruppe schneller zu einer Gemeinschaft zusammenzubringen.“

In politischen Debatten wird oft über Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gesprochen. Welche Erfahrungen haben die Teilnehmenden gemacht und welche Gemeinsamkeiten standen am Ende vielleicht viel stärker im Vordergrund?
„Dass der größte Unterschied zwischen Ost und West in dieser Generation nur noch in der Aussprache der Uhrzeit liegt 😊 – viertel vor drei bzw. dreiviertel drei. Sonst wurde festgestellt, dass die Unterschiede in diesem Alter gar nicht so groß sind. Es bestehen die gleichen Grundinteressen, Zukunftswünsche, aber auch Sorgen und Ängste.“
Demokratiebildung war ein zentraler Bestandteil des Projekts. Wie haben die jungen Freiwilligen auf die Workshops im Landtag reagiert und warum sind solche praktischen Erfahrungen wichtig, um demokratische Teilhabe erlebbar zu machen?
„Solche Workshops helfen den demokratischen Prozess erlebbar zu machen. Sie zeigen, dass ich mich an Politik auch beteiligen kann und sie nicht nur etwas ist, das mir von außen vorgegeben wird. Er hat den Austausch der Freiwilligen dahingehend auch noch einmal angestoßen.“

Wenn Sie mit etwas Abstand auf „Bach meets Gutenberg“ blicken: Welches Signal sendet das Projekt aus Ihrer Sicht an junge Menschen und an die Gesellschaft insgesamt?
„Das es viel sinnvoller ist miteinander zu reden als übereinander. Heutzutage werden Klischees, Halbwahrheiten oder falsche Eindrücke – durch die Flut an Informationsmöglichkeiten – viel schneller verbreitet und oft leider unreflektiert für sich selbst übernommen. Aber nur wenn ich mich mit Menschen und Menschengruppen auseinandersetze und sie versuche kennenzulernen, kann ich mir ein eigenes Bild machen.“
Viele Menschen sprechen derzeit über gesellschaftliche Spaltung. Warum macht Ihnen ein Projekt wie „Bach meets Gutenberg“ gerade mit Blick auf die Zukunft Mut?
„Aus meiner Sicht haben wir in vielen Bereichen unserer Gesellschaft das ‚Miteinander-Sprechen‘ verlernt. Wir bewegen, leben und kommunizieren in unserer jeweiligen eigenen ‚Bubble‘ und sprechen nur über die jeweilig andere bzw. grenzen uns bewusst ab. Menschen sind aber verschieden und haben unterschiedliche Bedürfnisse, Ziele, Ängste und Hoffnungen. Projekte wie ‚Bach meets Gutenberg‘ schüren in mir die Hoffnung, dass wir es schaffen – durch die Begegnung und das Finden von Gemeinsamkeiten wie dem Sport – uns mit unseren Gemeinsamkeiten, aber vor allem mit unseren Unterschieden, kennenzulernen, zu verstehen und vor allem zu respektieren.“

Im Rahmen ihrer jährlichen Fördermittelausschreibung hat die Bundesliga Stiftung (vormals DFL Stiftung) in diesem Jahr rund 150.000 Euro an Projekte und Initiativen vergeben, die Sport und Bewegung nutzen, um Gruppen und Personen zusammenzubringen, die sich im Alltag selten begegnen. Über das sogenannte „Bridging“ (von englisch: Brücken bauen) sollten neue Begegnungsräume für junge Menschen geschaffen werden, um Austausch, Verständnis und Miteinander über soziale, kulturelle und altersbezogene Grenzen hinweg zu fördern. Gemeinnützige Organisationen, darunter Vereine, Verbände, kommunale Träger und Stiftungen, hatten von Januar bis März die Möglichkeit, eine Förderung in Höhe von bis zu 7.500 Euro zu beantragen. Aus 575 Bewerbungen aus ganz Deutschland – so vielen wie bei keiner anderen Ausschreibung der Bundesliga Stiftung zuvor – wählte eine sechsköpfige Jury 26 Projektanträge zur Bewilligung aus.

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